Strukturen im Raum

"Die Blickverschiebungen und Wahrnehmungsverwerfungen, mit denen sich die Arbeiten von Michael Dekker auseinandersetzen, betreffen (...) vorwiegend naturgeschichtliche, insbesondere geomorphologische Erscheinungen. Doch auch hier gilt das Interesse des Bildhauers und Malers den diesen Stoffen – Urstoffen und Urgewalten – zugrundeliegenden Strukturen, der Materialität und Tektonik ihrer Einzelelemente. Gefährlich scharfgratige Formkristallisationen aus Bronze, Aluminium, Stahl, Gips, Multiplex und anderen Werkstoffen nehmen da die grauen Sockel ein, als seien sie das Ergebnis vulkanischer Eruptionen oder anderer immenser Sprengkräfte, um – nur eben erst zur festen Form versteinert – sich umgehend wieder in fluide oder gasförmige Aggregatzustände rückzuverwandeln. Das Charakteristische des eigentlich verwendeten bildhauerischen Materials gerät dabei zugunsten des formalästhetischen Gesamteindruckes vollständig in den Hintergrund: nichts Irdisches scheint ihnen (diesen Erdschichten, Erdgeschichten) mehr eigen, als ihre schrundigen, zersplitterten, ausfasernden Oberflächen die teilweise so starkfarbig gefasst sind, dass sich der Betrachter von Schwefelgift zischenden Bildfeuern bedroht sehen muss, denen es geflissentlich doch besser auszuweichen gälte, obwohl doch bekanntermaßen Pink, Magenta, Neongrün unsere zeitgenössisch kunststoffplastinierte Werbe- und Warenwelt ebenso aggressiv zu bevölkern trachtet." 

Clemens Ottnad M. A., Kunsthistoriker und Kurator
Auszug aus: Einführung in die Ausstellung "Strukturen im Raum" im Kunstverein Radolfzell 2014

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Aus:  "FOLLOW UP 2013" zu Michael Dekker:

"Reisen, Felsstrukturen, architektonische Disparitäten, Spalten, Brüche, Modifikation anstehender Gesteine. Das sind u.a. Dinge, die im Kopf verarbeitet werden. Die visuell-ästhetische Dimension in der Kritik an der vorgefundenen Form und Unzufriedenheit mit Architektur und Sozialisation im urbanen Raum müssen verarbeitet werden.

Unterschiedliche Materialien werden mit oft aus dem Prozess resultierenden Techniken in Verbindung gebracht und stellen bisher Bekanntes hinterfragend dar. Die Aktualität der Materialien fügt sich dem Chaos im Kopf und ist der Versuch einer Klärung des Undefinierten. (...)"

 
Auszug aus:
Dr. Stefani Lucci, 2013: FOLLOW UP 2013, Aktuelle Positionen aus dem Rundgang der Düsseldorfer Kunstakademie, S. 24, Ausstellungskatalog, Hrsg.: PricewaterhouseCoopers AG Düsseldorf